Original & Realität
Vielen geht es ähnlich. Die ersten Gedanken zum SM fangen bei Einigen sehr früh in der Kindheit an, Andere verspüren vielleicht auf dem Weg zum Erwachsenwerden den Drang nach einem besonderen Kick. Einem Kick, der vielleicht hin und wieder verschwindet. Er schläft aber meldet sich immer wieder zu Wort.
Die ersten Gedanken an das Dominieren oder auch das sich Unterwerfen nehmen immer mehr Platz im Alltag und in den Träumen ein. Sicherlich kennt jeder BDSM`ler die Situation, dass normaler Stinosex zwar Spaß macht aber oft wünscht man sich einfach mal, anderes auszuprobieren, sich zu öffnen, sich fallen zu lassen.
Und genau hier entstehen für Viele unerklimmbare Hindernisse. Die Wünsche sind feste Bestandteile in Träumen und Gesprächen. Manchmal wird der Versuch gestartet, sich mitzuteilen aber zumeist sind die Gesprächspartner zu unsicher, zu sicher , reagieren verständnislos oder reagieren mit falschem Sachverstand. Dies passiert oft und viel gerade in der heutigen SM-Szene. Alleingelassen begeht man Fehler in Handlungsweisen z. B. bei Erstkontakten: unattraktive Bilder, unangemessene Schreibweisen und Verhaltensfehler die leider nicht so schnell verziehen werden und schon im Voraus den weiteren Kontakt zu nichte machen.
Jeder kennt das Problem im Beruf des "Mobbings" und nicht nur im Beruf ist dieses Phänomen zu finden. Gerade im SM-Bereich werden gerne Schwachstellen ausgenutzt und der daraus resultierende Stress ist ein echtes Eigenprodukt. Denn, wer ist schon stark genug seinem eigenen Druck standzuhalten und auch noch den Druck von Anderen zu ertragen? Ein innerlich gestresster Mensch ist nicht mehr 100 %-ig entscheidungskräftig. Und von Freude am SM, an seiner eigenen Persönlichkeit kann nicht mehr die Rede von sein.
Menschen scheinen es manchmal einfacher zu finden, eine Kopie des Anderen zu werden. „So will ich sein, der/die ist stark und geht ihren Weg“. Hier fangen Menschen an Rollen zu spielen und verlieren sich als „Original“ aus dem Blick. Wie schade wäre es, wenn man am Ende zugeben müsste: „ich bin als Original geboren worden, aber als Kopie gestorben“. In jedem einzelnen Menschen besteht das „Original“, die Kunst das Leben zu sehen, zu verstehen, sich seiner Einzigartigkeit zu begreifen und sich durch nichts und niemand von dem eigenen Weg abbringen zu lassen.
Aber bis zum eigenen Weg ist es manchmal ein steinerner Weg. Anerzogene Konventionen beiseite zu schieben und sein Leben mit beiden Händen zu führen, ist nicht leicht zu erreichen. Leider ist BDSM noch immer nicht von großen Teilen der Außenwelt als „normale sexuelle Praktik“ akzeptiert.
Selbstverständlich kann die Fachliteratur oder ein SM-Verein oder Stammtisch konsultiert aber auch hier finden sich leider viel zu wenig Experten die einen rohen Diamanten erkennen können. Vieles wird verallgemeinert und zu sehr sind viele Bücher auf die eigenen geliebten Spielarten fixiert oder auf die eigene Sicht der Dinge. Leider bleibt hier das Individuum zumeist auf der Strecke.
Was passiert bei Menschen die sich unverstanden und ungeliebt fühlen?
Man stellt sicht selbst als SM-Monster in Frage und verteufelt kurzerhand alles was nur irgendwie mit diesem Thema zu tun hat. Aber wen oder was verleugnen man? Uns selbst mit einem ungesunden Schuss von Selbstaufgabe.
Genau hier möchte ich eingreifen:
Jeder ist ein Individuum.
(Wirklich reich ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann/Hans Kruppa)